Tomorrow Focus sucht Video-Redakteure

Dass einige Online-Medien im kommenden Jahr in den Aufbau von Video-Redaktionen investieren werden, ist mittlerweile ja bekannt. Den Anfang macht die Tomorrow Focus AG, die zum nächst möglichen Termin „Videoredakteurinnen / Videoredakteure“ sucht. Das Stellenangebot ist auf der Tomorrow Focus-Website in der entsprechenden Rubrik noch nicht vermerkt.

Update: Das Stellenangebot ist jetzt offiziell auf der Tomorrow Focus-Website ausgeschrieben.

Erwartet wird von Bewerbern folgendes:

  • Einschlägige Erfahrung bei der Konzeption von Online-Videoformaten
  • Mehrjährige Praxis in der Videoproduktion (Schnitt, Audio)
  • Erfahrung vor der Kamera
  • Sehr gute Sprecherstimme
  • Fähigkeit zur Arbeit in einem großen Redaktionsteam
  • Großes Interesse an aktuellen Online-Trends

Ob das Angebot interessant ist für Videojournalisten, sei dahingestellt. Dreherfahrungen scheinen jedenfalls nicht unbedingt erforderlich zu sein, was schwer vermuten lässt, dass dort in erster Linie mit zugeliefertem Material gearbeitet wird.

Update 19.12.: Per E-Mail wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich mit meiner Einschätzung völlig falsch liege: Dreherfahrungen werden sehr wohl vorausgesetzt. Die Arbeit soll beides umfassen: Eigendreh sowie die Verwertung von zum Beispiel Agenturmaterial. „Wer gute Ideen hat, geht drehen“, heißt es in der E-Mail.

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Qualitätsmängel im Videojournalismus

Ein Thema, das alle VJs interessiert. Passend dazu hat Thomas Majchrzak eine Hausarbeit am Institut für Journalistik der Uni Dortmund geschrieben. Anschaulich sind Beispiele in Form von Fotos eingefügt. Das Thema Qualitätsmängel wird hoffentlich noch ausführlicher wissenschaftlich untersucht.

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Drehen auf Harddisk

Seit ein paar Tagen habe ich nun den zur Kamera passenden Festplatten-Rekorder JVC DR-HD 100″. 80 Gigabyte, etwa sechs Stunden, passen drauf und sollten für die meisten Drehs reichen. Ich habe lange damit gerungen, die kompakte JVC HD 101 durch den Rekorder zu ergänzen, der Einsatz in Israel hat mir aber gezeigt, dass es doch praktischer ist, wenn man nicht digitalisieren muss.

Die ersten Tests zeigen, dass der Anschluss funktioniert und ich sogar die Inhalte der Harddisk auf dem Sucher der Kamera kontrollieren kann. Die einzige Herausforderung ist bzw. war die Befestigung. Ich habe mich vorerst für eine sehr rudmentäre entschieden, nämlich den Apparat mit Klettband am Akku zu befestigen. Es gäbe auch die Möglichkeit, die mitglieferte Schale an der Akkuhalterung zu verschrauben, doch erstens benötige ich dafür noch ein zusätzliches Blech, zweitens verliert die Kamera damit etwas Gleichgewicht um die Längsachse.

Die Verarbeitung des aufgenommenen Materials geschieht in zwei Varianten. Ich kann auf dem Rekorder das Aufnahmeformat auswählen. Für den schnellen Zugriff oder zwingendes Kopieren der Takes wähle ich eigentlich den Pinnacle-Modus. Vor dem Anschluss an den PC per Firewire werden die Clips organisiert und damit müsste ich mit Avid Liquid nur noch eine Schnittliste einladen und könnte direkt auf die Clips zugreifen. EIGENTLICH: Das Problem ist nämlich, das Avid Liquid auf diesen Arbeitsablauf in der neuesten Version nicht getestet wurde. Das, was in älteren Versionen und mit einem andern Firestoresystem problemlos lief, sorgt jetzt für Ärger, sobald ich einen geschnittenen Beitrag in MPEG wandeln möchte. Dann findet Liquid die verknüpften Dateien nicht mehr. Die Antwort Avids nach eingehender Simulation: Die „Engeneering“-Abteilung wird sich damit beschäftigen. Die zweite Variante arbeitet einwandfrei und eignet sich besser für Reportagen oder Dokumentationen, wenn über mehrere Tage Material auf den Schnittrechner „geschaufelt“ werden soll. Dann nimmt man im RAW-Format auf und verschiebt das Material auf die PC-Festplatte. Der Vorteil: Bei Erfahrungen in früheren Jahren hatten die automatisch erstellten Schnittlisten das Problem, dass sie sich bei identischen Time-Codes überschrieben – trotz eigener Racks im Schnittsystem.

WIRD FORTGESETZT

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Live ohne Satellit aus Israel

Von Ulrich Sahm

Die sexuellen Eskapaden des israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav haben bei n-tv fast unbemerkt Geschichte gemacht. Der Aufsager des Korrespondenten in Jerusalem zu dem Skandal in Israel war der erste erfolgreiche Probelauf mit einer live-Übertragung von Bild und Ton per Internet-Leitungen.

Schon vor zehn Jahren war n-tv ein Pionier mit der Fähigkeit, den Korrespondenten in Jerusalem innerhalb kürzester Zeit mit einem bewegten Bild sofort zu schalten. Ein Video-Conferencing Gerät vom Typ Venue 2000, wie es Ärzte und Geschäftsleute verwendeten, konnte 3 ISDN Leitungen zeitgleich verkoppeln und so mit 384 Kilobits die Sekunde ein Bild und den Ton in beide Richtungen verschicken. Die Qualität entsprach gewiss nicht einer Satellitenübertragung. Jede schnelle Bewegung wirkte verzerrt. Und die Pixel im Gesicht waren ein ungewohnter Anblick, an den sich die Zuschauer erst gewöhnten, als aus dem Irak-Krieg 2003 live-Bilder in schlechter Qualität aber mit großer Aktualität fest selbstverständlich wurden.

Um die schlechte Qualität zu kompensieren, wurde der Korrespondent nur als „Butterfly“, also wie ein Schmetterling im kleinen Bild gezeigt und neben ihm der Moderator im Studio. Die Methode hatte Vorteile, die sogar von CNN, damals der schnellste Nachrichtensender in der Welt, nicht geschlagen werden konnte. ARD und ZDF konnten da trotz größtem Aufwand nicht mithalten. Die ISDN-Schalte war im Vergleich zur Satellitenübertragung nicht nur extrem billig, denn sie kostete pro Minute nur ein sechsmaliges Auslandsgespräch. (Jede ISDN-Leitung hat bekanntlich zwei Kanäle). Die Geschwindigkeit, eine Verbingung aufzubauen, war unschlagbar. Es musste nichts koordiniert werden und kein Satellitenfenster im Voraus gemietet werden. Ein Knopfdruck reichte und schon wählte die Maschine eine vorprogrammierte Nummer beim Sender an. Die Vorbereitungen des Korrespondenten, Hemd überziehen, Schlips umbinden und kämmen, dauerten wesentlich länger. Und als die Verbindung stand, gab es noch einen entscheidenden Vorzug: Der Korrespondent sah das Bild, das gerade über den Sender ging. Das ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, live-Einspielungen etwa des Begräbnisses von Arafat zu kommentieren.

Inzwischen entwickelte sich die Technologie weiter. Die zehn Jahre alte Venue 2000 wurde von n-tv durch ein neues Gerät vom Typ Polycom VSX7000 ausgetauscht. Dieses Gerät kann sogar vier ISDN zusammenkoppeln aber alternativ auch als „Webcam“ benutzt werden. Besonders nach dem Libanonkrieg, als die Telefonrechnung für die ISDN-Leitungen trotz extrem gesunkener Gesprächspreise schon wieder in die Tausenden ging, war es nur noch eine Milchmädchenrechnung, ob vielleicht eine garantierte Breitbandverbindung über Internetleitungen letztlich günstiger sei. So wurde beschlossen, eine synchrone DSL Leitung mit 2 Gigabite für das Hochladen zu bestellen. Die ist nicht ganz billig, aber schon zwei nahöstliche Großereignisse mit langen Berichtstrecken dürfte die Leitungskosten im Vergleich zu ISDN amortisieren.

Noch ist es nach einem ersten Test zu früh, über Pannen zu reden. Die Qualität des Bildes hat sich dank der fortgeschrittenen Algoritmen erheblich verbessert. Ob endgültig das Zeitalter der umständlichen Satellitenübertragungen der Vergangenheit angehört, wird sich erst noch erweisen müssen.

Markus Böhnisch hat mit seinem Einsatz in Israel zum Ende des Libanonkrieges bewiesen, dass mit richtiger Organisation und Technik auch das Übertragen von gefilmten Beiträgen per schnellen Internetleitungen keinen teuren und zeitraubenden Einsatz von Satelliten mehr notwenig macht.

Für das traditionelle Fernsehen hat so ein neues Zeitalter begonnen. n-tv sei gelobt dafür, die notwendige Flexibilität und einen Sinn für Innovation zu haben, um nicht nur Kosten zu sparen, sondern eben auch neue Technologien ohne Berührungsängste zu testen und sofort einzusetzen.

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Der gute Ton

Die eigene Erfahrung und die Gespräche mit VJ-Kollegen haben gezeigt, dass der gute Ton eine Herausforderung sind. Worauf muss man also achten, damit es nicht zu leise oder übersteuert klingt?

Grundsätzlich gilt für mich eine Faustregel. Die Atmo wird automatisch ausgesteuert (es sei denn, ich befinde mich in einem Hubschrauber oder auf einem Konzert) und die O-Töne immer MANUELL. Damit vermeide ich schon grundsätzlich das Pumpen der Automatik, sollte der Sprechende Pausen machen und außerdem liegt es dann auch nur in meiner Hand, ob der Ton stimmt oder nicht. Zum Einpegeln lasse ich mir ein bisschen Zeit. Wenn der Interviewte nicht für Sprechproben bereit steht, dann spreche ich grundsätzlich etwas lauter hinein, um mögliche Übersteuerung zu vermeiden. Bei meinen Kameras vermeide ich, dass die Ausschläge des VU-Meters in den roten Bereich kommen. Natürlich gilt es aber, beim Aussteuern und beim Interviewen Kopfhörer zu tragen. Denn nur so lassen sich mögliche Interferenzen heraushören. Wenn man dann während des Gesprächs die Sorge hat, doch zu übersteuern, dann gibt es zunächst erst einmal ein schnelles Rezept: Das Mikro etwas vom Mund des Interviewten entfernen. Am Ende des Gesprächs lohnt sich das Hereinhören in das Interview. Sollte es doch zu einer Übersteuerung gekommen sein, kann man die eine oder andere Frage noch einmal stellen und gleich auch den Bildausschnitt verändern. Damit lohnt sich die zweite Runde umso mehr.

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