Lohnende Investition

Zugegeben, mit meiner Ausrüstung und Arbeitsweise bin ich weitgehend zufrieden. Wenn es aber immer wieder ein Thema gab, das mich regelmäßig zum Grübeln brachte, dann war es die Akustik bei der Vertonung. Unterwegs als Reporter ist das egal, da verzeihen die Umstände viel. Doch im Heimstudio war ich mit dem Klangergebnis nie wirklich zufrieden. Ein Schritt nach vorne war vor ein paar Jahren die Anschaffung der SE Reflexion Filter. Doch nachdem ich mal wieder in einem richtigen Tonstudio gesessen hatte, wusste ich, dass mein Klang noch weit davon entfernt war.

Nachdem jetzt mal wieder Geld für Investitionen bereit stand, schlug ich bei Thomann zu. Zuerst bestellte ich vier Acousti Pro Panels. Die roten Quadrate sahen erst mal ganz gut aus und brachten auch schon eine gewisse Klangverbesserung.

Doch irgendwie passte mir das noch nicht so recht. Ich schaute noch einmal auf den Seiten und stieß auf Basotect. Das Material wird von BASF hergestellt und vielfältig für die Verbesserung der Akustik eingesetzt, selbst im Auto Die Platten boten neben guter Schallisolierung in weiß auch noch ein halbwegs neutrales Erscheinen. Der Minuspunkt: 149 Euro für vier Platten plus Kleber. Dennoch bestellte ich ein Paket.

Nachdem ich drei Platten nun in verschiedenen Zuschnitten angebracht habe und die ersten Testaufnahmen mit denen ohne Platten verglichen habe, kann ich das Zeug nur wärmstens empfehlen. Der Effekt ist sofort hörbar – schon wenn man im Raum spricht. Zusammen mit dem Mikro Rhode NT1-A bin ich nun auch endlich mit der Akustik zufrieden.

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VJ: Eine Frage der Haltung

Thomas Majchrzak schreibt über die Haltung der Videokamera

Unter Videojournalisten wird häufig diskutiert, wie man denn eine kleine Kamera richtig und wackelfrei halten kann. Erste Voraussetzung ist natürlich eine ruhige Hand bzw. ruhige Körperbewegungen, wo nur gilt: Übung macht den Meister. Doch es gibt mehrere Techniken, die bei der Handhabung helfen.

Hier filme ich für den Regionalsender wm.tv den Beitrag „Cocktailtaxi“ mit einer Panasonic DVX100, übrigens ohne Kopfhörer, weil ich dem Ausschlag auf dem Display traue – gewiss keine goldene VJ- Regel, aber bei Drehs ohne empfindlicher Ansteckfunke ist mir bisher noch kein Tonfehler passiert. Eigentlich ist die Kamera am ruhigsten, wenn man sie unten vor dem Bauch wie eine Salatschüssel  hält. Aber das ist nur bedingt für alle Situationen geeignet, weil die Kameras nun mal so ausgelegt  sind, dass man sie mit der einen Hand in der Schlaufe trägt – um alle wichtigen Funktionen bedienen  zu können. Daher hier der Kompromiss: eine Hand in der Schlaufe, bei der anderen Hand bei ausgeklappten Display vorsichtig den Daumen unter dem Display abstützen, die restliche Hand hält die Kamera von unten. Auf der bild-abgewandten Seite sieht man übrigens ein Kabel neben der Trageschlaufe, das ist das Kabel der Sennheiser-Funke, die ich an der Kameraschlaufe trage. Dann muss ich nicht oben den Schuh  benutzen und kann z.B. noch ein Licht aufstecken.

Hier bin ich auf einem Dreh für den WDR, Lokalzeit im Revier, Beitrag „Elektrocrosser“. Um sicher  ruhige O-Töne drehen zu können, aber schnell auch flexibel zu bleiben, verwende ich ein Einbein- Stativ von Manfrotto. Kamera: eine alte Canon XM1, die aber noch gute Dienste leistet. Da sie nur  eine Tonspur hat, ist hier Abhören mit Kopfhörer ein absolutes Muss. Mit diesem Stativ und der  leichten Kamera ist mir das Kunststück gelungen, WÄHREND der Fahrt den Crossfahrer zu filmen, so  dass es aussieht wie eine Helmkamera, aber eben doch nicht genau wie eine Helmkamera.

Es hatte auf jeden Fall den gewünschten Effekt, dass sich die Leute fragten: Wie zum Teufel hat er  das gefilmt? Auch die First-Person-Aufnahmen vom Motorrad sind auf eine ähnliche Weise entstanden.  Ich habe mich hinter den Fahrer aufs Motorrad gesetzt, meine Füße auf den Fußrasten abgestützt, das  Stativ mit Kamera in einer Hand gehalten und mich mit der anderen Hand festgehalten. Da es sich um  ein Elektromotorrad handelte, brauchte der Fahrer seine Füße nicht zum Schalten. Ein anderes Beispiel von extremer Kamerahaltung zeigt dieser Film:

Im Flugzeug filme ich den Piloten (mit einer Hand), während ich in der anderen Hand ein normales  externes Mikrofon halte. In diesem Fall hatte ich im engen Cockpit gar kein Stativ zur Verfügung.  Hier hieß es einfach nur: Konzentration und ruhig halten! Mein Tipp dabei: Eine Balance zwischen  Lockerheit und Anspannung finden. Denn zu viel Anspannung bedeutet zittern und damit ruckeln im  Bild. Zu lockere Handhabung aber bedeutet große Schwankungen im Bild. Mit ein bisschen Glück hat  diese Aufnahme genau die Mitte getroffen.

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Neue Kameras = bessere Kameras?

Sony XDCAM EX3

Das Jahr 2008 beschert uns zweifelsohne neue Spielzeuge. Die Sony EX1 ist bereits seit ein paar Monaten im Markt, jetzt ist die erweiterte EX3 mit Wechselobjektiv und Schulterstütze zu haben. Nicht nur bessere Chips machen die Kameras interessant, sondern auch die Art der Aufzeichnung. Tapeless wird mit den Kameras nun Realität, denn die Modelle funktionieren nur noch mit SxS-Karten und nicht mehr im Dualbetrieb (Panasonic). Schließlich zeichnen diese Kameras nur noch hochauflösende Bilder auf, SD gibt es damit nicht mehr.

Aus meiner Sicht stellen sich zwei Fragen:

1. Wie verändert sich der Arbeitsablauf (Workflow)?

2. Welche Vor- bzw. Nachteile bedeutet HD für die alltäglichen TV-Produktionen?

Aus der eigenen Erfahrung mit dem Firestore HD-100 Festplattenrekorder gehe ich davon aus, dass die Karten ein Stück mehr Komfort und Zeitgewinn beim Schneiden bringen werden. Außerdem sind sie im Vergleich zur Festplatte unanfälliger und stecken im Alltagsbetrieb mehr weg. Allerdings kommt es offenbar auch darauf an, wie die jeweiligen Schnittprogramme das Sony-eigene Containerformat MP4 verarbeiten können.

Die ersten Kurztests sind gemacht, die VJ-spezifischen Abläufe werden in der kommenden Woche hoffentlich geprobt. Dann gibt es hier mehr als nur zwei Fotos:

Sony XDCAM EX3

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VJ und News: HSPA macht mobil!

Wer im Aktuellen arbeitet, steht gelegentlich mal vor der Frage, wie er sein Material schnell in die Redaktion bekommt. Wenn nicht gerade eine SNG in de Nähe ist, gibt es die Möglichkeit, das Internet per FTP zu nutzen. Bis vor wenigen Wochen galt dazu die Einschränkung „…sofern ein Internetcafé in der Nähe ist“.

Laptop und MausDie Vodafone-HSDPA-Maus

Doch die Zeiten haben sich mal wieder schlagartig geändert. Vodafone stellte eine mausähnliche Erscheinung vor, mit der das Internet mobil werden sollte. Bei einer Vorführung bewiesen die Mitarbeiter, dass Uploadraten von rund 350 kbit möglich sind.

Nach zwei Monaten ausgiebiger Tests und mit realen Einsätzen kann ich die Alltagstauglichekeit nur unterstreichen. Immer dann, wenn es schnell gehen soll, wenn kleine Pakete von rund 30 MB (Aufsager, O-Ton) verschickt werden müssen, ist die Vodafone Easybox (so der Name in Deutschland) eine Alternative.

Für wen ist das sinnvoll? Für alle, die schon mit Sendern oder Kunden arbeiten, die auf das Überspiel per FTP setzen. Selbst Nachrichtenstücke von 1’40 sind schon über die Maus gegangen. Praktischer Nebeneffekt: Die Maus, in der HSDPA-Technik steckt, macht das Internet mobil. Recherche oder Mail-Empfang sind fast überall möglich.

Markus Böhnisch

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Live ohne Satellit aus Israel

Von Ulrich Sahm

Die sexuellen Eskapaden des israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav haben bei n-tv fast unbemerkt Geschichte gemacht. Der Aufsager des Korrespondenten in Jerusalem zu dem Skandal in Israel war der erste erfolgreiche Probelauf mit einer live-Übertragung von Bild und Ton per Internet-Leitungen.

Schon vor zehn Jahren war n-tv ein Pionier mit der Fähigkeit, den Korrespondenten in Jerusalem innerhalb kürzester Zeit mit einem bewegten Bild sofort zu schalten. Ein Video-Conferencing Gerät vom Typ Venue 2000, wie es Ärzte und Geschäftsleute verwendeten, konnte 3 ISDN Leitungen zeitgleich verkoppeln und so mit 384 Kilobits die Sekunde ein Bild und den Ton in beide Richtungen verschicken. Die Qualität entsprach gewiss nicht einer Satellitenübertragung. Jede schnelle Bewegung wirkte verzerrt. Und die Pixel im Gesicht waren ein ungewohnter Anblick, an den sich die Zuschauer erst gewöhnten, als aus dem Irak-Krieg 2003 live-Bilder in schlechter Qualität aber mit großer Aktualität fest selbstverständlich wurden.

Um die schlechte Qualität zu kompensieren, wurde der Korrespondent nur als „Butterfly“, also wie ein Schmetterling im kleinen Bild gezeigt und neben ihm der Moderator im Studio. Die Methode hatte Vorteile, die sogar von CNN, damals der schnellste Nachrichtensender in der Welt, nicht geschlagen werden konnte. ARD und ZDF konnten da trotz größtem Aufwand nicht mithalten. Die ISDN-Schalte war im Vergleich zur Satellitenübertragung nicht nur extrem billig, denn sie kostete pro Minute nur ein sechsmaliges Auslandsgespräch. (Jede ISDN-Leitung hat bekanntlich zwei Kanäle). Die Geschwindigkeit, eine Verbingung aufzubauen, war unschlagbar. Es musste nichts koordiniert werden und kein Satellitenfenster im Voraus gemietet werden. Ein Knopfdruck reichte und schon wählte die Maschine eine vorprogrammierte Nummer beim Sender an. Die Vorbereitungen des Korrespondenten, Hemd überziehen, Schlips umbinden und kämmen, dauerten wesentlich länger. Und als die Verbindung stand, gab es noch einen entscheidenden Vorzug: Der Korrespondent sah das Bild, das gerade über den Sender ging. Das ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, live-Einspielungen etwa des Begräbnisses von Arafat zu kommentieren.

Inzwischen entwickelte sich die Technologie weiter. Die zehn Jahre alte Venue 2000 wurde von n-tv durch ein neues Gerät vom Typ Polycom VSX7000 ausgetauscht. Dieses Gerät kann sogar vier ISDN zusammenkoppeln aber alternativ auch als „Webcam“ benutzt werden. Besonders nach dem Libanonkrieg, als die Telefonrechnung für die ISDN-Leitungen trotz extrem gesunkener Gesprächspreise schon wieder in die Tausenden ging, war es nur noch eine Milchmädchenrechnung, ob vielleicht eine garantierte Breitbandverbindung über Internetleitungen letztlich günstiger sei. So wurde beschlossen, eine synchrone DSL Leitung mit 2 Gigabite für das Hochladen zu bestellen. Die ist nicht ganz billig, aber schon zwei nahöstliche Großereignisse mit langen Berichtstrecken dürfte die Leitungskosten im Vergleich zu ISDN amortisieren.

Noch ist es nach einem ersten Test zu früh, über Pannen zu reden. Die Qualität des Bildes hat sich dank der fortgeschrittenen Algoritmen erheblich verbessert. Ob endgültig das Zeitalter der umständlichen Satellitenübertragungen der Vergangenheit angehört, wird sich erst noch erweisen müssen.

Markus Böhnisch hat mit seinem Einsatz in Israel zum Ende des Libanonkrieges bewiesen, dass mit richtiger Organisation und Technik auch das Übertragen von gefilmten Beiträgen per schnellen Internetleitungen keinen teuren und zeitraubenden Einsatz von Satelliten mehr notwenig macht.

Für das traditionelle Fernsehen hat so ein neues Zeitalter begonnen. n-tv sei gelobt dafür, die notwendige Flexibilität und einen Sinn für Innovation zu haben, um nicht nur Kosten zu sparen, sondern eben auch neue Technologien ohne Berührungsängste zu testen und sofort einzusetzen.

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Das Überspiel per Internet

Begonnen hat das FTP-Abenteuer vor fünf Jahren. Da horchte ich auf, als der Kollege Ulrich Sahm in Israel erste Versuche des Überspiels per Internet unternahm. In Gesprächen mit den Technikern hörte ich von Problemen, gerade was die Tonspuren und die Bildqualität anging. Die Schwachstelle war also zunächst das Programm, das aus dem digital geschnittenen Beitrag eine kompakte MPEG2-Datei machte. Motiviert durch die Möglichkeiten, die ich erahnte, suchte ich mit den Technikern bei n-tv nach Programmen und wir fanden sie. Problem gelöst, obwohl die Bildqualität noch nicht richtig gut war. Doch das nächste Problem kam sofort: Die Leitung. Im Jahr 2001 (das ist noch nicht so lange her) gab es ADSL-Leitungen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 256 Kilobits. Allerdings nur für Daten, die aus dem Internet herunter geladen wurden. Für den Versand kamen wir auf 128 Kilobit. Zwei Stunden für einen Einsdreißiger – Billiger als der Satellit war es schon, doch nicht viel mehr. Die Verbindung zum Server erfolgte schon damals kennwortgeschützt und mit einem bis heute bewährten FTP-Programm, Cute FTP. Bei einer Unterbrechung setzt das Programm an dem letzten Punkt an und beginnt nicht von vorne.

Der nächste große Schritt erfolgte im Jahr 2004, als das benutzte Schnittprogramm Pinnacle Liquid Edition seinen MPEG2-Encoder verbesserte. Mit der Version 5.62 war es also möglich, auf ein Zusatzprogramm zu verzichten und Schnitt und Umwandlung in die zu versendende Datei mit einer Software zu erledigen. In der Zwischenzeit wuchs die Leitungsgeschwindigkeit. Im Homeoffice hatte ich nun eine Versandgeschwindigkeit von rund 350 Kilobit, der Einsdreißiger brauchte nur noch 50 Minuten. Heute steht uns in Madrid eine Geschwindigkeit von verlässlichen 700 Kilobit zur Verfügung. Der Einsdreißiger braucht etwa 22 Minuten, ein Aufsager ist aber schon in weniger als 10 Minuten in Köln auf dem Server, geschwindigkeitsoptimiert durch eine reduzierte Datenrate der MPEG2-Datei. Obwohl n-tv technischen Neuerungen immer aufgeschlossen gewesen ist, galt es, besonders den Redakteuren die Vorteile und Verfahren zu erklären. Nach fünf Jahren ist es nun eine Selbstverständlichkeit, doch eben nicht nur von den Studios aus, sondern von jedem Punkt, an dem Nachrichten passieren und eine gute Internetverbindung in der Nähe ist.

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